Das Interview führte Heidi Gerstner (Pressewartin, TV Holz 02 e.V.)
Heidi Gerstner: „Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum 1. Vorsitzenden des TV Holz! Wie fühlt es sich an, dieses verantwortungsvolle Amt in einem Traditionsverein mit über 120-jähriger Geschichte zu übernehmen?“
Philipp Grau: „Vielen Dank, Heidi! Es ist für mich ein ganz besonderes Gefühl und eine große Ehre. Der TV Holz ist mein Heimatverein. Ich bin hier mit vier Jahren eingetreten, habe in der Halle mit dem Handballspielen begonnen und bin praktisch im Verein groß geworden. Nach meinem Freiwilligen Sozialen Jahr im Sport und den vielen intensiven Jahren als Geschäftsführer der proWIN Volleys schließt sich hier gewissermaßen ein Kreis. Dieses Amt in einem Verein mit über 120 Jahren Tradition zu übernehmen, erfüllt mich mit großem Respekt, aber vor allem mit Vorfreude und Dankbarkeit.“
Heidi Gerstner: „Was hat dich persönlich dazu bewogen, für den Vorsitz zu kandidieren, und mit welcher Haltung gehst du an diese neue Aufgabe heran?“
Philipp Grau: „Der TV Holz hat mir über Jahrzehnte hinweg unheimlich viel gegeben – sportlich, aber vor allem menschlich. Für mich war immer klar: Wenn der Moment kommt, an dem ich dem Verein etwas zurückgeben und Verantwortung übernehmen kann und ich es zeitlich leisten kann, dann möchte ich da sein. Ich gehe mit der Haltung an die Aufgabe heran, dass wir Vereinsleben als echtes Miteinander begreifen müssen: zuhören, anpacken, Bewährtes bewahren und gleichzeitig den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Klar ist aber auch: Alleine kann und will ich das nicht bewegen. Ich werde ganz maßgeblich auf die Mithilfe und Unterstützung meiner Vorstandskolleginnen und -kollegen sowie all unserer engagierten Mitglieder angewiesen sein. Nur als starkes Team können wir den TV Holz erfolgreich in die Zukunft führen. Er soll weiterhin der Ort sein, der Menschen zusammenbringt, echte Gemeinschaft stiftet und bei dem sich jedes Mitglied zuhause fühlt.“
Heidi Gerstner: „Mit der Zukunftswerkstatt ‚TV Holz 2030‘ schlagen wir ein neues Kapitel auf. Welche zentralen Ziele verfolgen wir mit diesem Reformprozess und wie sieht der Entwurf für unsere künftige Führungsstruktur aus?“
Philipp Grau: „Mit ‚TV Holz 2030‘ stellen wir die Weichen für die Zukunft. Unsere drei Leitplanken lauten: Gemeinschaft stärken, Verwaltung vereinfachen und das Sportangebot gezielt weiterentwickeln. Die bundesweiten Studien des DOSB zeigen eindeutig, dass der Mangel an Ehrenamtlichen und überbordende Bürokratie heute die größten Sorgen der Sportvereine sind.
Unser Ziel ist es ganz klar, dass wir schlanke Verwaltungsprozesse etablieren und den Fokus der Vorstandsarbeit wieder mehr auf den Sport und die Gemeinschaft legen können. Wir wollen nicht in bürokratischen Pflichtaufgaben ersticken, sondern die Energie dorthin lenken, wo das Vereinsherz schlägt.
Aus diesem Grund haben wir in der Zukunftswerkstatt einen ersten Struktur-Entwurf erarbeitet, der unsere Organisation deutlich zeitgemäßer und schlanker aufstellen soll. Nach diesem Entwurf planen wir künftig einen kleineren, fünfköpfigen BGB-Vorstand, der sich ganz auf die strategische Leitung konzentriert. Konkret umfasst das den Vorstandsvorsitz für die Gesamtführung und Repräsentation, das Ressort Kommunikation für die Außenwirkung, Vernetzung und Wertekultur sowie den Bereich Verwaltung und Vereinsentwicklung für Finanzstrategie, rechtliche Absicherung, Digitalisierung und das Backoffice. Komplettiert wird das Gremium durch den Vorstand Sport für die sportliche Gesamtkonzeption vom Breiten- bis zum Leistungssport sowie den Vorstand Jugend mit klarem Fokus auf Prävention und Nachwuchsförderung.
Wichtig ist: Das ist der aktuelle Arbeitsstand, den wir an der diesjährigen Mitgliederversammlung erstmals vorgestellt haben. Wir arbeiten derzeit intensiv an dieser Struktur weiter, feilen an den Details und nehmen das Feedback der Mitglieder mit. Unser Ziel ist es, mit Blick auf die Mitgliederversammlung 2027 einen konkreten, beschlussreifen Satzungs- und Strukturvorschlag vorzulegen.“
Heidi Gerstner: „Ein kleinerer Vorstand bedeutet aber nicht weniger Aufgaben. Wie sieht der Entwurf vor, die Arbeit künftig auf mehrere Schultern zu verteilen, und welche Projektteams sind angedacht?“
Philipp Grau: „Genau das ist der Kern unseres Konzepts: Wir wollen den Vorstand entlasten und gleichzeitig möglichst viele Mitglieder niederschwellig einbinden. Der Entwurf sieht dafür sieben Teams vor: Das Team Finanzen & Verwaltung kümmert sich um Regulatorik, Steuern, Finanzen und ein effizientes Backoffice, während das Team Sport moderne, breitensportliche Angebote vom Kleinkind- bis zum Seniorensport entwickelt. Das Team Jugend widmet sich Aktionen wie KidsCamp, sozialen Projekten sowie dem gelebten Kinderschutz. Für die Außenwirkung und eine authentische Kommunikation rund um unser Vereinsleben sorgt das Team Öffentlichkeitsarbeit, unterstützt vom Team IT, das moderne digitale Werkzeuge zur Entlastung aller Funktionsträger einführt. Schließlich gewährleistet das Team Material eine funktionsfähige, zeitgemäße Ausstattung, während das Team Veranstaltungen & Events mit Vereinsfesten den unverzichtbaren sozialen Kleber unseres Vereins bildet.
Auch hier gilt: Der Entwurf lebt vom Mitmachen. Wir erproben diese Formate bereits im Alltag, um bis zur Mitgliederversammlung 2027 genau zu wissen, wie sich die Aufgabenverteilung in der Praxis am besten bewährt. Niemand muss sich langfristig an ein starres Amt binden – jeder kann sich themenbezogen genau dort einbringen, wo Spaß und Kompetenz liegen. Interessenten können sich gerne bei uns melden.“
Heidi Gerstner: „Ein emotionaler Höhepunkt der Mitgliederversammlung war die Ernennung neuer Ehrenmitglieder. Mit Rita Diehl, Armin Klein und Anke Schilke wurden drei prägende Persönlichkeiten ausgezeichnet. Was bedeutet ihr jahrzehntelanges Engagement für den TV Holz?“
Philipp Grau: „Das war wirklich ein toller Moment. Rita, Armin und Anke haben den TV Holz über Jahrzehnte in zentralen Führungsämtern mit unermüdlichem Herzblut geprägt. Armin Klein kenne ich noch aus meinen eigenen Kindertagen beim Handball. Er hat den Verein als Abteilungsleiter Handball begleitet und über sehr viele Jahre hinweg als 2. Kassierer und schließlich als 1. Kassierer gewissenhaft über die Finanzen unseres Vereins gewacht. Rita Diehl war über Jahrzehnte eine Stütze des Vorstands. Sie hat als Schriftführerin begonnen, übernahm später als 3. Vorsitzende Verantwortung und hat den Verein schließlich über lange Zeit als 1. Geschäftsführerin unterstützt. Anke Schilke war und ist eine absolute Allrounderin für den TV Holz: von der Kommunikation als Pressewartin über die Gesamtorganisation unzähliger Feste und sportlicher Veranstaltungen als Orgaleiterin bis hin zur Leitungsverantwortung als 1. Geschäftsführerin.
Ohne Menschen wie Anke, Armin und Rita gäbe es den TV Holz in dieser Form heute nicht. Ihr Lebenswerk erfüllt mich mit tiefem Respekt und großer Dankbarkeit. Sie sind ein tolles Vorbild für aktuelle und künftige Generationen an Mitgliedern.“
Heidi Gerstner: „Welche Kriterien liegen diesen Ehrenmitgliedschaften zugrunde, und welches Signal möchten wir damit an die jüngeren Generationen im Verein senden?“
Philipp Grau: „Unsere Statuten sehen für die Ehrenmitgliedschaft mindestens 40 Jahre Vereinsmitgliedschaft und mindestens 20 Jahre aktives ehrenamtliches Engagement in Vorstand oder Abteilungsleitung vor. Das sind beeindruckende Meilensteine, die für außerordentliche Vereinstreue stehen. Das Signal an unsere Jugend und jüngeren Mitglieder ist klar: Vereinsleben lebt von Verlässlichkeit und Miteinander. Wer sich einbringt, gestaltet nicht nur den Sport vor Ort mit, sondern schafft Werte und Freundschaften, die über Generationen hinweg tragen.“
Heidi Gerstner: „Ein unvermeidbarer Tagesordnungspunkt war die Erhöhung der monatlichen Grundbeiträge ab dem 1. Oktober 2026. Kannst du den Mitgliedern noch einmal kurz die Hintergründe und die finanzielle Notwendigkeit hinter diesem Schritt erläutern?“
Philipp Grau: „Natürlich beschließt niemand gerne Beitragserhöhungen. Aber wir müssen der Realität ins Auge blicken. Auch vor unserem Verein machen die allgemeinen Preissteigerungen und zunehmenden Verwaltungskosten nicht halt. Wenn man sich die Zahlen pro Kopf anschaut, wird das Ungleichgewicht schnell deutlich: Wir haben derzeit monatliche allgemeine Kosten – darunter fallen beispielsweise Versicherungen, Steuerberatung, Bankgebühren, sonstige Verwaltungsthemen – von 4,54 € je Mitglied. Schauen wir uns unsere bisherigen Grundbeiträge an, reichen diese teilweise nicht einmal zur Deckung der allgemeinen Kosten aus. Wir versuchen alles, um die allgemeinen Kosten durch schlanke Prozesse weiter gering zu halten, werden aber für die Weiterentwicklung des Vereins auch investieren müssen. Ich fand den Austausch im Rahmen der Mitgliederversammlung daher sehr zielführend. Die Mitglieder haben immer die Gemeinschaft im Blick. Wir wollen niemanden aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten ausschließen. Die letztlich große Zustimmung der Mitglieder für die Erhöhung der Grundbeiträge um 2 € pro Monat je Mitglied ab dem 1. Oktober zeigt aber auch das Bewusstsein, für den Wert unseres Sport- und Gemeinschaftsangebots.
Heidi Gerstner: „Wofür werden die Mehreinnahmen künftig eingesetzt, und wie sichern wir damit die finanzielle Stabilität und Qualität unseres Sportbetriebs ab?“
Philipp Grau: „Die Einnahmen fließen direkt in die Basis unseres Vereinslebens: in moderne Trainingsmaterialien, die Aus- und Weiterbildung unserer Trainerinnen und Übungsleiter sowie in die Deckung der laufenden Verwaltungsaufgaben. Sie schaffen die notwendige finanzielle Planungssicherheit, damit wir unsere Angebote vom Kleinkind- bis zum Seniorensport verlässlich anbieten können. Es ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des TV Holz, damit wir Breiten- und Leistungssport gleichermaßen auf hohem Niveau fördern können.“
Heidi Gerstner: „Wenn du auf die kommenden Monate und Jahre blickst: Was sind deine wichtigsten Prioritäten für den TV Holz?“
Philipp Grau: „Ganz oben steht die Weiterentwicklung unseres Struktur-Entwurfs: Wir wollen gemeinsam mit den Mitgliedern die neuen Projektteams mit Leben füllen und die Vereinsorganisation Schritt für Schritt modernisieren. Gleichzeitig liegt mir die enge Verzahnung von Breiten- und Leistungssport am Herzen. Wir haben mit Karate und den proWIN Volleys zwei Aushängeschilder auf Bundesebene und gleichzeitig im Breitensport Woche für Woche hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Hallen. Diese beiden Welten gehören zusammen und bereichern sich gegenseitig. Priorität hat für mich, dass wir die Hallen voller Leben halten, die Gemeinschaft abteilungsübergreifend stärken und unseren Übungsleitern den Rücken freihalten.“
Heidi Gerstner: „Welche Botschaft möchtest du allen Mitgliedern, Sportlerinnen und Sportlern, Übungsleitern sowie Familien zum Abschluss mit auf den Weg geben?“
Philipp Grau: „Ein riesiges Dankeschön für euer Vertrauen und euren Einsatz Tag für Tag! Ein Verein ist immer nur so stark wie die Menschen, die ihn mit Leben füllen. Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen: mit Begeisterung für den Sport, mit Offenheit für Neues und mit dem Zusammenhalt, der den TV Holz seit jeher auszeichnet. Lasst uns gemeinsam die Zukunft unseres Heimatvereins gestalten!“
Philipp Grau, Gina Lehnen und Kiana Fallah vom TV Holz beim KidsCamp der Peak Performer Stiftung.